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Für Ihre Solidarität und Unterstützung im vergangenen Jahr möchte ich mich als 1. Vorsitzender im Namen von Refugees4Refugees e.V. bedanken. Trotz der gesetzlichen Verschärfungen und der immer weiter zunehmenden Stimmung gegen Geflüchtete und Migrant*innen haben wir unsere Arbeiten fortgeführt und an die neue Situation angepasst. Wir haben die Position von Geflüchteten in verschiedenen Podien, Aktionen und Diskussionen gestärkt, um unsere Perspektiven in der öffentlich umkämpften Auseinandersetzung um Flucht und Migration sichtbar zu machen.
Eine Regierung nach der anderen versucht, sich darin zu übertreffen die Zahlen der Abschiebungen zu erhöhen, völlig ohne Rücksicht auf menschliche Schicksale. Geflüchtete werden damit in eine endlose Abfolge von Verunsicherung, Kriminalisierung und Repression gezwungen. Bei dem Thema Migration spielen menschliche Schicksale keine Rolle mehr mehr. Migration wird zur Ursache allen Übels erklärt und für reale Probleme werden erhöhte Abschiebezählen als scheinbar einfache Lösung angeboten. Es geht um den Ausbau von Macht auf dem Rücken von Geflüchteten und das Erstarken der extremen Rechten wird so unterstützt. Reale Probleme werden so nicht gelöst.
Für uns Geflüchtete aber hat dieses Vorgehen massive Konsequenzen, es zerstört Hoffnungen, behindert Integration, reißt Familien auseinander, schiebt Menschen in elendige Verhältnisse ab.
Unsere Aufgabe ist es, die Perspektive der Menschen einzunehmen, die von dieser Politik betroffen sind, und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen. https://soundcloud.com/de-verbranders/ep-31-break-isolation-with-rex-osa-aino-korvensyrja-english

Unsere Beratung in Zeiten der Auflösung des Rechts auf Asyl
Wir leisten intensive Beratung und Begleitung für Geflüchtete und Migrant*innen in Deutschland, insbesondere von Geflüchteten aus West-Afrika. Unsere Selbstorganisation agiert sehr spontan und flexibel. Wir gehen dorthin, wo wir die Menschen am besten erreichen und wo wir am meisten gebraucht werden. Wir arbeiten unabhängig von öffentlichen Institutionen und der institutionalisierten Sozial- und Beratungsarbeit. Wir beraten und informieren und kämpfen gegen die vielen Falschinformationen, die leider sowohl unter Ehrenamtlichen als auch innerhalb der communities kursieren.
Die verfehlte Asylpolitik (fehlende Bleiberechtsregelungen, Abschiebedruck, Familientrennungen etc.) und die Folgen der verfehlten Integrationspolitik (fehlende Wohnungen, Sprachkurse, etc.) produzieren permanent Krisen, die dann unseren Einsatz fordern.
Neben den alltäglichen Schwierigkeiten haben wir viele Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus – sogenannte „Geduldete“ – in Extremsituationen begleitet. Wir haben Menschen in Abschiebehaft unterstützt und versucht, noch etwas für sie zu erreichen. Wir haben leider auch viele Abschiebemaßnahmen kritisch beobachtet.
Für diejenigen, mit denen wir kein Bleiberecht erwirken konnten und die abgeschoben wurden, haben wir bei ihrer Ankunft in Nigeria eine solidarische Notfall-Unterstützung bieten können. Häufig sind Familien betroffen, v.a. die Kinder waren oft viele Jahre nicht mehr oder auch noch nie in Nigeria. Sie werden gewaltsam in ein ihnen völlig fremdes Land abgeschoben. Oft haben die Kinder in Deutschland die Schule besucht oder standen kurz vor Beginne einer Ausbildung. Diese hoffnungsvollen Lebenswege werden mit einer Abschiebung zerstört. Andere sind krank und es ist unklar, ob sie Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen können.
Nach der langen Abwesenheit und dem Schock der Abschiebung ist es für die Menschen nahezu unmöglich, wieder in das gesellschaftliche Leben Nigerias hinein zu finden.

Monitoring und Sensibilisierung
Unser Monitoring der Abschiebungen umfasst die Beobachtung, Dokumentation und Bewertung der Abschiebemaßnahmen insgesamt, sowie der individuellen Fälle. Dabei reagieren wir sowohl spontan auf die Bedarfe in Einzelfällen, wie auch langfristig auf die neuen Verschärfungen innerhalb der europäischen Migrationspolitik. Seit 2019 konnten wir durch unsere Präsenz und aktive Einmischung in Nigeria sowohl in den staatlichen Behörden, wie auch in der Zivilgesellschaft eine Sensibilität für die Situation von Abgeschobenen erhöhen. Wir konnten beobachten, dass sowohl einzelne Beamte, wie auch Familienangehörige und Bekannte, durch unsere Berichte und Einschätzungen Verständnis und Empathie für die Situation der Betroffenen entwickelt haben. Unsere Maßnahmen sind der Regierung bekannt und setzten sie unter öffentlichen Druck. Sie werden mit der Frage konfrontiert, was sie für die Betroffenen tun wollen oder können. Oder ob sie sich zum willentlichen Vollstrecker europäischer Migrationspolitik macht.

Schutzwohnung für Abgeschobene
Mit der Schutzwohnung, die wir seit 2022 unterhalten, konnten wir ununterbrochen eine lokale Anlaufstelle in unmittelbarer Nähe zum Flughafen in Lagos etablieren. Die angemietete Wohnung bietet zwar zwei Wohnbereiche für Frauen, Familien und Männer, die wir je nach Bedarf zuteilen können, stößt aber bei den gestiegen Abschiebezahlen an ihre Kapazitätsgrenzen. Daher sind wir regelmäßig gezwungen, weitere Wohnungen oder Hotels anzumieten, um allen Betroffenen übergangsweise eine Übernachtungsmöglichkeit bieten zu können. Mit der Schutzwohnung bieten wir erst einmal einen sicheren Platz, an dem die Menschen sich mit unserer Unterstützung darum kümmern können, wie es nach der Abschiebung weiter gehen soll. Häufig sind nicht ausreichend finanzielle Mittel vorhanden oder es existiert keine Struktur mehr, in die die Menschen einfach zurück kehren könnten. Ohne unsere Hilfe würden sie in Lagos einfach stranden.
Fast wichtiger ist es aber, einen Raum zu bieten, in dem die Traumata verarbeitet werden können, die durch die Abschiebung entstanden sind. Abschiebungen sind immer einen gewaltvoller Eingriff in das Leben.
Die extrem belasteten Betroffenen finden in der Schutzwohnung einen solidarischen Raum, in dem unser Team aus Menschen mit gleichen Erfahrungen, die entstandenen Traumata sehen, verstehen und in einer Erstversorgung auffangen können. Ziel unserer Maßnahmen ist es, ein Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen aufzubauen, um deren Situation vollständig zu dokumentieren und wenn nötig politisch intervenieren zu können. abschiebungen-werden-immer-mehr-zur-normalitaet

NfCMC und zivilgesellschaftliche Organisationen
Gemeinsam mit unsere Partnerorganisation NfCMC (Netzwerk für kritisches Migrationsbewusstsein) kritisieren wir den globalen Migrationsdiskurs. Wir bringen die Perspektive der Geflüchteten ein, denn sie sind diejenigen, die zentral betroffen sind. Ihre Stimmen und Positionen werden in dem Diskurs nicht berücksichtigt.
Die meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen in Nigeria orientieren sich fast ausschließlich an der europäischen Perspektive auf Migration. Deswegen bringen wir kritische Informationen und Perspektiven in den zivilgesellschaftlichen Diskurs ein. Ein aktuelles Thema ist zur Zeit die Externalisierung des europäischen Grenzregimes und die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisation bei der Durchsetzung europäischer Abschiebepolitik. Komplizen bei der Auslagerung von Grenzkontrollen
Entgegen der Darstellung, die uns die europäische Migrationspolitik als Fortschritt für eine legale und geordnete Migration verkaufen will, stellen wir die negativen Auswirkungen und Folgen des europäischen Grenzregimes dar. Wir beleuchten die Rolle verschiedener Institutionen, wie IOM, GEZ, ICMPD, SDC, usw., die die europäische Migrationspolitik lokal umsetzen und an die zivilgesellschaftlichen Akteure vermitteln.

Aktiv und Vernetzt bleiben
Die jetzige politische Entwicklung zeigt keinerlei Verbesserung der Situation. Das europäische Asylsystems konzentriert sich auf Ausgrenzung und die Aushöhlung des Rechts auf Asyl. Die rechtliche Entwicklung in Deutschland und Europa zwingt uns, unsere Arbeiten zu intensivieren, neue Strategien für solidarische Selbstorganisation zu finden und dabei gleichzeitig unsere etablierten Herangehensweisen zu festigen.
Für uns bleibt unsere transnationale Vernetzung zentral, um die kritische Informationslücke zwischen Europa und West-Afrika zu überbrücken. Wir sind mit verschiedenen lokalen Netzwerken in der Region West-Afrika verbunden. Nigeria ist ein wichtiges Ein- und Auswanderungsland im afrikanischen Kontinent. Das Interesse Europas an Nigeria ist das einer ausführenden Gehilfin ihrer Migrationspolitik. Dagegen versuchen wir der nigerianischen Zivilgesellschaft eine NoBorder-Perspektive zu vermitteln, um ein kritisches Kollektiv, eine soziale Bewegung, zu etablieren und für das Welt-Sozial-Forum 2026 zu mobilisieren. In the period before and during the NMD, several interviews and reports were published on local Nigerian media. There were two live radio broadcast in collaboration with Frey Lindsay of Statewatch. Critical documentation of the several lapses identified in the program from the planning especially with the eurocentric influence/censoring. Please find links to some reports below;
https://nigerianewssource.com.ng/2025/12/30/discussants-at-migration-discourse-in-benin-call-eu-african-govts-to-order/ https://thenationonlineng.net/battered-by-eus-border-bandits/
https://therecorder.com.ng/blog/germany-based-ngo-canvases-free-border-movement-wants-barriers-removed/ https://therecorder.com.ng/blog/deportees-cry-for-justice-say-denied-access-to-air-maltreatment-by-german-officials-during-abuja-migration-dialogue/ https://www.thegroovewatchnews.com/2025/12/germany-based-ngo-canvasesfree-border_0163188063.htm
Wir bedanken uns nochmals für die aktive Zusammenarbeit und Solidarität. Wir sind weiterhin auf Ihre und Eure Unterstützung angewiesen. Wir arbeiten bewusst ohne staatliche oder institutionelle Unterstützung, um eine kritische Perspektive aus der Community behalten zu können. Deswegen können wir ohne Ihre und Eure Unterstützung unser Engagement nicht aufrecht erhalten. Jede Kooperation, jede Förderung, jeder Beitrag, jede Anteilnahme, allein Ihre und Eure aktive Aufmerksamkeit und Beteiligung stellen immer wieder aufs Neue die Rahmenbedingungen her, die für unser Engagement notwendig sind.

Mit solidarischen Grüßen

Team R4R

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