Stadt Backnang verweigert Corona-Kranken medizinische Versorgung

Corona-Chaos in Backnang, 20.9.2020

Während die Stadtverwaltung Backnang den Geflüchteten in der Quarantäne die medizinische Versorgung verweigert, zeigen sich Menschen aus Backnang solidarisch. Weiterhin müssen positiv und negativ Getestete eng zusammenleben.

Kein Arzt, nur Pillen – auch für Risikopersonen

In der Backnanger Quarantäne bedeutet medizinische Versorgung:

Wer sich fiebrig fühlt, kann seine Temperatur nicht messen. Geht er zu den Sozialarbeiter*innen muss er sich blöde Sprüche anhören (“Wenn ich Fieber habe, lege ich mich hin.”).

4 Pillen ohne Informationen

4 Pillen ohne Informationen

Vom Security-Personal und von Sozialarbeiter*innen, also von Menschen ohne irgendeine medizinische Ausbildung, werden großzügig Pillen ausgegeben. Bis zu vier Ibuprofen-400-Tabletten ohne Hinweise zu Dosierung, Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen und ohne Beipack-Zettel. Ibuprofen-600 ist rezeptpflichtig, Ibuprofen-400 apothekenpflichtig nicht für Geflüchtete in der Backnanger Quarantäne.

Risikopersonen sind nicht bekannt. Einen Arzt hat ja mit den positiv Getestete nicht gesprochen und nach Vorerkrankungen gefragt.

Krankmeldungen stellt niemand aus. Wer Arbeit hat, droht dies zu verlieren.

RKI-Empfehlungen werden ignoriert

Das Robert-Koch-Institut dagegen fordert: Verdachtsfälle und labordiagnostisch bestätigte COVID-19 Fälle müssen von einem Arzt oder einer Ärztin über die Diagnose und damit verbundene Maßnahmen aufgeklärt und unverzüglich isoliert werden.” (RKI https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/AE-GU/Aufnahmeeinrichtungen.html) Auch diese Empfehlung des RKI für “Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Schutzsuchende” ignoriert die Stadt Backnang. Das RKI fordert, Risikopersonen (Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen) beim Auftreten des ersten Falls sofort aus dem Lager zu holen. Nichts dergleichen in Backnang.

Solidarität und Selbsthilfe

Solidarische Menschen vom “Libertären Treffen Rems-Murr” haben den Geflüchteten in der Quarantäne Fieberthermometer besorgt. So können die Geflüchteten in der Quarantäne selbst ihre Temperatur kontrollieren.

Weiterhin keine Trennung von positiv und negativ Getesteten

Inzwischen wurden fünf negativ Getestete, die zusammen mit positiv Getesteten in einem Zimmer leben mussten, aus der Hohenheimer Straße in eine andere, kleinteilige Unterkunft verlegt. Flur, Toiletten, Küche und Duschen müssen weiterhin von allen gemeinsam genutzt werden. Inzwischen leiden aber auch negativ Getestete unter typischen Corona-Symptomen (Selbstdiagnose).

Das (Nicht-)Handeln der Stadtverwaltung führt dazu, dass wie in Ellwangen fast alle Menschen in der Quarantäne mit Corona infiziert werden. Es fällt schwer, an pure Unfähigkeit zu glauben.

Bürgermeister ignoriert Geflüchtete

Am Samstag, 19.9.2020, besuchte der Backnanger Bürgermeister Nopper das Lager in der Hohenheimer Straße. Mit den Geflüchteten in der Quarantäne hat er nicht gesprochen. Fieberthermometer hat er nicht mitgebracht, Interesse für die Erkrankten offensichtlich auch nicht. Hat er nur prüfen wollen, ob die auch gut eingesperrt sind? Am gleichen Abend wurde jedenfalls die Security verstärkt.

Wir fordern ein Ende der Massenquarantäne und Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Menschen im Lager müssen auf Wunsch mindestens einmal am Tag persönlich eine Ärztin oder einen Arzt sprechen können.

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