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Eine Mutter, ein autistisches Kind und eine ungewisse Rückkehr

Ein Abschiebungsflug mit 50 nigerianischen Staatsangehörigen landete gestern, am 10.03.2026, auf dem Frachtflughafen von Lagos. Unter den Passagieren befanden sich drei Frauen und sechs Kinder, die nicht freiwillig, sondern zwangsweise rückgeführt wurden.


Für die meisten Rückgeführten war die Heimreise von Unsicherheit und Angst geprägt. Ein Fall auf diesem Flug sorgte jedoch für besondere Besorgnis unter den Abgeschobenen: eine Mutter, die mit zwei Kindern reiste, von denen eines autistisch und stark hyperaktiv ist.


Laut Aussagen anderer zwangsweise Mitreisender, die wir in der Wohnung von DERS trafen, erwies sich die Betreuung des Kindes bereits am Abflughafen in München wie auch an Bord des Flugzeugs als äußerst schwierig. Autismus erfordert spezielle Unterstützung, Geduld und Routinen – Dinge, die während einer erzwungenen Reise und einer plötzlichen Umsiedlung nur schwer aufrechtzuerhalten sind. Mitreisende beschrieben die Situation als herzzerreißend.


Aus unseren Gesprächen mit der Familie nach ihrer Ankunft in Nigeria ging hervor, dass die Mutter vor der Abschiebung keine Zeit und keine Möglichkeit hatte, sich auf die Bedürfnisse ihres Kindes vorzubereiten. Sie kam in Lagos ohne die grundlegenden Ressourcen für die Betreuung ihres Kindes an. Selbst etwas so Einfaches wie Essen wurde zu einer Herausforderung. Die Mutter erklärte, dass ihr Kind viele der in Nigeria üblichen Lebensmittel nicht isst. Sie machte sich Sorgen, wie sie die nächsten Tage bewältigen sollte.


Am Abend wurden der Stress und die Unsicherheit überwältigend. Die Mutter brach in Tränen aus, als sie darüber nachdachte, was nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihr Kind, das besondere Aufmerksamkeit benötigt, als Nächstes kommen würde.
Am auffälligsten war die Reaktion der anderen Abgeschobenen. Obwohl viele von ihnen mit eigenen Ängsten und Sorgen über den Neuanfang in Nigeria zu kämpfen hatten, zeigten sie tiefe Besorgnis um die Mutter und ihr Kind. Mehrere sagten, sie seien besonders beunruhigt darüber, wie schwierig es für sie sein würde, die Unterstützung zu finden, die ihr Kind braucht.


Kinder mit Autismus benötigen oft strukturierte Lernumgebungen, spezielle Bildungsangebote sowie medizinische und verhaltensbezogene Unterstützung. Leistungen, zu denen der Zugang in Nigeria per se eingeschränkt ist. Für einen Menschen, der unerwartet und ohne Vorbereitung abgeschoben wird und hohe Kosten zu tragen hat, wird die Herausforderung übermäßig.


Diese Causa verdeutlicht einmal mehr eine oft übersehene Realität von Abschiebeverfahren: Die betroffenen Menschen sind nicht nur Statistiken. Unter ihnen sind Familien, Kinder und Einzelpersonen mit komplexen Bedürfnissen. Für diese Mutter und ihr Kind endete die Reise nicht, als das Flugzeug in Lagos landete. In vielerlei Hinsicht ist es voraussichtlich der Beginn eines weitaus schwierigeren Kampfes, der Unterstützung, Verständnis und Aufmerksamkeit sowohl von Seiten der Gemeinschaft als auch von Institutionen erfordert.

Chylian von FREMNET

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